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Franck Garbely: DER "MAFIABOSS VON BRIG": Wie der Norden der `Ndrangheta Tür und Tor öffnet

In seinem neuen Buch erzählt Frank Garbely nicht nur die Leidensgeschichte von Fortunato Maesano, sondern er verrät auch mit welchen Tricks und Täuschungsmanövern die kalabrische Mafia sich im schweizerischen Wallis einnistet. Ein erschütternder Bericht, akribisch recherchiert, glänzend geschrieben, packend wie ein Krimi.

Teil I des Buches berichtet wie Maesano, der vor über 50 Jahren aus Kalabrien einwanderte, vom unbescholtenen Flachmaler zum monströsen Mafiaboss hochstilisiert wurde.

Ende der 1990er Jahre ermittelte die Staatsanwaltschaft in Reggio Calabria gegen zwei Familienclans der ‘Ndrangheta, die sich einen mörderischen Machtkampf lieferten, besser bekannt als Fehde von Roghudi: Ein regelrechter Krieg mit mehreren Dutzend Toten, allein von 1992-1998, in nur 6 Jahren, wurden 19 Rachemorde verübt.

Auch gegen Maesano wurde Haftbefehl erhoben. Bei der Planung der Rachemorde soll er eine wichtige Rolle gespielt haben. Mehr noch, die Staatsanwaltschaft hielt ihn für den Boss eines der beiden Clans.

Als Italien Maesanos Auslieferung verlangte, eröffnete die Schweizer Bundesanwaltschaft ein eigenes Verfahren. Doch das musste eingestellt werden. Trotzdem wurde Maesano an Italien ausgeliefert. Dort sass er über 8 Jahre im Gefängnis.

Zu Unrecht! Das behaupten namhafte Schweizer Strafrechtler und erheben schwere Vorwürfe gegen das italienische Verfahren.

Inzwischen hat Maesano seine Strafe abgesessen. Doch er darf nicht zurück in die Schweiz, wo seine Frau und seine Kinder leben. Die Schweiz verhängte ein Einreiseverbot.

Heute ist der „Mafiaboss von Brig“ ein gebrochener Mann und gesundheitlich ein Wrack.

Maesano hat stets seine Unschuld beteuert. Bis heute. Mit der `Ndrangheta will er nie etwas zu tun gehabt haben. Sass er für einen anderen Maesano? Die Frage drängt sich auf. Denn, der `Ndrangheta-Clan der Maesanos war an der Fehde von Roghudi beteiligt. Daran besteht nicht der geringste Zweifel. Genauso daran, dass es die `Ndrangheta gibt, auch in der Schweiz, zum Beispiel im Oberwallis.

Die `Ndrangheta ist heute unbestritten die mächtigste unter den italienischen Mafien. Bis in die 1970er Jahre gab es sie quasi nur in Kalabrien: Ein Geheimbund von Bauern in den Bergen des Aspromonte. An den damals grossen Mafia-Geschäften wie Tabakschmuggel, Drogen- und Waffenhandel war sie nicht beteiligt. Dann stieg auch sie ins Drogengeschäft ein. Es folgte eine Phase grosser Erneuerung. Die `Ndrangheta expandierte in den Norden.

Auf ihrem Vormarsch in den Norden hat sie einen radikalen Wandel durchgemacht, sich vom mittelalterlich anmutenden Geheimbund in eine hochkomplexe Verbrecher-Holding entwickelt. Die schärfsten Waffen der `Ndrangheta sind längst nicht mehr Schrotflinte und Dynamit, sondern ihre Treuhänder und Geschäftsanwälte, ihre Finanzberater und Bankiers.

In den 1990er Jahren, zur selben Zeit als in Kalabrien gegen die Verantwortlichen der Fehde von Roghudi ermittelt wurde, flog auf, dass die `Ndrangheta auch in der Ossola-Region, an der italienisch-schweizerischen Grenze, festen Fuss gefasst hatte. Mit Hilfe des Partito socialista hatte sie mehrere Gemeindever-waltungen unterwandert, auch die der Stadt Domodossola. Seit jenen Jahren tauchten immer häufiger auch im Oberwallis `Ndranghetisti, Mitglieder der kalabrischen Mafia, auf. War Domodossola nur eine Etappe auf dem Weg ins Wallis?

Das Buch DER MAFIABOSS VON BRIG spiegelt die Wirklichkeit. Auch im Wallis will niemand etwas von der `Ndrangheta gesehen, gehört oder mitbekommen haben. Doch schaut man genauer hin, begegnet man der kalabrischen Krake auf Schritt und Tritt.

About the author

Nadia Sikorsky

Nadia Sikorsky was born and raised in Moscow. She graduated from the Faculty of Journalism at Moscow State University and went on to complete her postgraduate studies there, earning a PhD in History. She spent 13 years at UNESCO, first in Paris and then in Geneva. After serving as Director of Communications at Green Cross International, founded by Mikhail Gorbachev, she launched NashaGazeta.ch in 2007, Switzerland’s first Russian-language online daily newspaper.

In 2022, Nadia Sikorsky was named to Le Temps’ Forum des 100, which brings together individuals who, in the newspaper’s view, have “significantly contributed to the success of French-speaking Switzerland”, from across public life, business, politics, science and culture.

After 18 years at the helm of NashaGazeta.ch, Nadia Sikorsky decided to devote herself to what had always held a special place in her work as a journalist: culture in all its diversity. This led to the creation of Russian Accent, a trilingual cultural blog in Russian, French and English, born in the heart of Europe, in Switzerland, which has become her second home and whose multiculturalism and multilingualism have helped shape the character of this new project.

At the heart of the project is the perspective of a European of Russian origin, drawing on more than 35 years of professional experience and a deep knowledge of both cultural traditions. Nadia Sikorsky sees her role as that of a cultural mediator between the two. The title of the blog, Russian Accent, reflects this idea: the accent is neither a linguistic barrier nor a political position, but a distinctive cultural imprint within a European context.

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A new book by the Geneva-based Slavist Jean-Philippe Jaccard and his Russian colleague Andrei Ustinov, now living in San Francisco, has been published by the European University at St Petersburg: Vzir Zaumi. Daniil Harms and the Literary Avant-Garde of the 1920s. In the authors' own words, the volume offers a kind of X-ray of Leningrad's "left-wing " circles and their evolution during the period between Harms's poetic debut and the creation of OBERIU, as well as the dynamics that shaped those circles.

A few days ago, the Lausanne-based publisher Éditions Noir sur Blanc brought out Guzel Yakhina’s novel about the celebrated Soviet film director Sergei Eisenstein. French readers will be able to read it in Maud Mabillard’s translation and, importantly, in full, including the ninth chapter omitted from the Russian edition.